Spiegel

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Impressum
Der Blick in den Spiegel.
Dort, dort im Spiegel, da sehe ich mich.
Ich blicke in mein Spiegelbild. Das dort bin ich.

Doch manchmal, da blickt mir jemand anderes entgegen.
Es hat mein Gesicht, doch es hat nicht meine Augen.
Es hat meinen Mund, doch es spricht nicht meine Sprache.
Es hat meine Mimik, doch es hat nicht meine Gefühle.

Es ist das Gesicht hinter dem Spiegel.

 

 

Meinungen.
Worte.
Aussagen.
Hier vertrete ich mich.
Mich und meine Meinung.
Wissen, Erfahrung und Überzeugung.

Aus dem Dunkel der Gleichgültigkeit trete ich hervor.
Hier bin ich!
Hört, was ich zu sagen habe!
Hier ist meine Meinung!
Dazu stehe ich!

Ich blicke mich um.
Die Leute hören mir zu.
Sie warten auf mich.
Mein Blick schweift herum.
Mein Blick fällt in den Spiegel.

Dort, dort im Spiegel, da sehe ich mich.
Ich blicke in mein Spiegelbild. Das dort bin ich.

 

Und ich lache!
Traust Du Dich tatsächlich hervor?
Kann Deine Meinung denn überhaupt Bestand haben?
Deine Meinung?
Mach Dich nicht lächerlich!
Siehst Du, wie ich lache?
Denk an all die Fehler, die Du gemacht hast.
Denk an all die Fehler, die Du in Deinen Überlegungen hast.
Und Du traust Dich, Deine Meinung an die Öffentlichkeit zu bringen?
Na, dann warte, bis man über Dich lacht!
So, wie ich lache!

 

 

Spaß, Freude, Nähe.
Vorschläge.
Wünsche.
Meinungen.
Hier vertrete ich mich.
Mich und meine Wünsche.
Mich und meine Vorstellungen.

Aus dem Dunkel der Einsamkeit trete ich hervor.
Hier bin ich!
Hört, was ich zu sagen habe!
Hier ist meine Meinung!
Dazu stehe ich!

Ich blicke mich um.
Die Personen hier kenne ich.
Sie blicken zu mir.
Sie wollen wissen, was ich möchte.
Wollen wissen, was ich von diesem und jenem halte.
Sie warten auf mich.
Mein Blick schweift herum.
Mein Blick fällt in den Spiegel.

Dort, dort im Spiegel, da sehe ich mich.
Ich blicke in mein Spiegelbild. Das dort bin ich.

 

Und ich lache!
Deine Meinung!
Deine Wünsche!
Meinst Du wirklich, Du bekommst, was Du willst?
Gaubst Du, daß Du wichtig bist?
Schau Dich um!
Alle sind zufrieden!
Du bist überflüssig!
Wer bist Du, daß Du denkst, Du wärest etwas besonderes?
Hah! Ich amüsiere mich köstlich!
Siehst Du mein Lachen?
Denkst Du, Deine Anwesenheit wäre von Interesse?
Siehst Du mein Lachen?
Denk an all die Fehler, die Du schon gemacht hast!
Hast Du keine Angst, Dich lächerlich zu machen?
Verrückte Wünsche, lächerliche Begehren.
Und gerade Du!
Wie willst Du da bestehen?
Na, dann warte, bis man über Dich lacht!
So, wie ich lache!

 

 

Gefühle.
Empfindungen.
Meinungen.
Hier vertrete ich mich.
Mich und mein Innerstes.

Aus dem Dunkel der Kälte trete ich hervor.
Hier bin ich!
Hört, was ich zu sagen habe!
Hier ist meine Meinung!
Dazu stehe ich!

Ich blicke mich um.
Die Person hier kenne ich.
Sie blickt zu mir.
Sie will wissen, was ich möchte.
Will wissen, was ich von diesem und jenem halte.
Sie wartet auf mich.
Mein Blick schweift herum.
Mein Blick fällt in den Spiegel.

Dort, dort im Spiegel, da sehe ich mich.
Ich blicke in mein Spiegelbild. Das dort bin ich.

 

Und ich lache!
Wer bist Du?
Denkst Du, Du wärest wichtig?
Gerade Du?
Hah! Ich schreie vor Lachen!
Denk an all die Fehler!
Aber mach Dich ruhig lächerlich!
Aber sage hinterher nicht, ich hätte Dich nicht gewarnt!
Hach, wie ich lache!
Dränge Dich ruhig auf!
Nerve!
Denke, Du wärest wichtig!
Denke, Du wärest von Bedeutung!
Denke!
Mann, denk nach!
Wie kann das sein?
Du?
Hah!
Na, dann warte, bis man über Dich lacht!
So, wie ich lache!

 

 

Das Gesicht im Spiegel!
Die böse Fratze!
Das Lachen!
Wie es sich amüsiert!

Nein!
Ich kann es nicht mehr sehen!

Meine Faust stößt vor!
Es knirscht und splittert!

Ich spüre den Schmerz.
Ich blicke in mein Gesicht.
Blut fließt dort.

Blut auf meinem Gesicht?
Blut auf dem Gesicht im Spiegel?

Nein, dem Gesicht hinter dem Spiegel ist nichts passiert.
Das Gesicht hinter dem Spiegel, das kann man nicht erreichen.
Nicht so!

Angst und Zweifel, ja, daraus besteht das Gesicht hinter dem Spiegel.
Loswerden tut man das nicht.

Aber soll es doch lachen!
Aber soll es doch lästern!

Das Gesicht, das wird immer da sein.
Ab und an, da wirst Du es hören.
Das Gesicht hinter dem Spiegel.

Doch es ist nur hinter dem Spiegel.
Hinter Glas, kalt und gefühllos.
Es hat Dein Gesicht, doch es hat nicht Deine Augen.
Es hat Deinen Mund, doch es spricht nicht Deine Sprache.
Es hat Deine Mimik, doch es hat nicht Deine Gefühle.

Lache über das Gesicht hinter dem Spiegel.

Versuch es!

Höre auf die Stimme tief in Dir!
Die Stimme in Dir!
In Dir, warm und gefühlvoll.
Sie lebt in Deinem Gesicht, und sie funkelt in Deinen Augen.
Sie lebt in Deinem Mund, und sie spricht Deine Sprache.
Sie lebt durch Deine Mimik, und sie lebt durch Deine Gefühle.

Lache über das Gesicht hinter dem Spiegel!

30.11.97 Der Ring Die literarische Ecke Kerzen schimmern in der Nacht


©2016 Holger Thiele
generiert aus "spiegel.template" vom 28 07 2001
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