Der Feuervogel

Hauptseite
Beruf
Spiele
Freiheit für Links
Geschichten
Über die Magomos
Der Alte
Laß uns fliegen
Der Zauber der Nacht
Die Straße der Ewigkeit
Der Gehilfe des Königs
Die zwei Brüder
Die anderen zwei Brüder
Das Gesetz
Lichter am Horizont
Der Sturm
Tränen
Der Feuersturm
Der Feuervogel
Abschied
Hätte ich ....
Das Ende des Weges
Es
Schatten
Kerzen schimmern in der Nacht
Spiegel
Der Ring
Fackel im Wind
Wächter im Tal der verlorenen Wünsche
Geschichte vom Quantenland
Zitate
HP48
ct-Bot
(ct-)Hardware
MP3-Wetterstation
LED-Tafel
LED-Licht
Nixie-Uhr
Diverses
Rechenmaschine AE13
Grundgesetz
Jargon Lexikon
Holgi on Tour
Bilder
Rückmeldung?
Impressum
An einem weit entfernten Ort, weit, weit weg von hier, weit weg vom Trubel dieser Zeit, da lebt der erstaunlichste Vogel aller Zeiten. Inmitten wilder, friedlicher Natur dreht er seine Kreise. Er erfreut die Menschen mit seinem Aussehen, mit seinem Gesang. Niemand kann sich ein Leben ohne diesen Vogel vorstellen, doch immer wieder kommt die Zeit, in der der Feuervogel Chaos und Vernichtung bringt.

Schlank ist der Feuervogel, und etwa so groß wie ein Adler. Er ist von majestätischer Gestalt, seine Flügel haben eine beeindruckende Spannweite, seine Augen haben einen funkelnden Glanz, sein Schnabel ist stark und spitz.

Doch das wirklich Erstaunliche an dem Feuervogel ist das glänzende, ja leuchtende Gefieder!
Unmöglich zu sagen, welche Farbe es denn nun hat, denn jeder Beobachter sieht etwas anderes. Es schimmert, leuchtet und funkelt in der Sonne. Jede einzelne Feder schimmert, es ist ein unglaublicher Anblick, wunderschön und nicht zu beschreiben.

Wenn der Feuervogel am Himmel seine Kreise zieht, dann ist es, als ob ein funkelndes Juwel dort entlangfliegt. In vielen Farben schimmert dieser wunderschöne Vogel, sein Anblick berührt die Menschen.

Ruhig fliegt der Vogel durch die klare, warme Luft. Nur ab und an schlägt er mit den Flügeln, sorgt für ein irrisierendes Funkeln, für ein farbiges Flimmern.
Dann stößt der Feuervogel seinen Ruf aus. Es ist ein langgezogener Ruf, der kraftvoll über weite Strecken reicht. Es ist keine komplizierte Melodie, aber es ist ein Ruf von unglaublicher Harmonie. Es ist nicht genau zu beschreiben, aber jeder dieser Menschen kennt diesen Ruf, diesen Ton, der auf so nachdrückliche Weise das Herz berührt.

Elegant fliegt der Feuervogel über die prachtvollen Wälder, zieht seine Kreise über den Grasflächen. Seine Gestalt spiegelt sich in den Wasserflächen, und kein Schatten dieses wunderschönen Vogels zeichnet sich auf dem Boden ab, wenn er durch den Schein der Sonne fliegt, sondern ein warmer, bunter Schimmer.

Immer, wenn sich ein Feuervogel am Himmel zeigt, dann bleiben die Menschen stehen, halten inne, blicken diesem unglaublichen Vogel nach. Jeder dieser Menschen sieht andere Farben, sieht andere Schimmer. Doch jeder dieser Menschen spürt die faszinierende Kraft, die von diesem Vogel ausgeht, spürt sie tief in sich. Es ist wie ein warmer Strom, der durch den Körper fließt, von Geist und Gefühl Besitz ergreift, zum Träumen verleitet.

Manchmal sinkt ein Feuervogel herab, setzt sich auf einen Stamm, auf einen Zaun, irgendwo in die Nähe von Menschen. Dann sitzt er da, ruhig, und seine strahlenden Augen blicken umher, suchen nach Menschen und finden sie.

Noch viel unglaublicher ist der Anblick eines Feuervogels aus der Nähe. Jede einzelne Feder schimmert in vielen Farbabstufungen, der Anblick des Vogels ist wie ein Gemälde aus Licht, erfüllt die Herzen der Menschen mit Wärme und Freude.

Doch soviel Freude und Wärme der Feuervogel auch bringt, so sehr die Menschen auch seinen Anblick genießen, ja, sich den Vogel herbeisehnen, geht derweilen eine erschreckende Veränderung mit ihm vor sich, die die Menschen in Angst und Schrecken versetzt.

Das klare Glitzern in den Augen des Feuervogels wird zu einem roten Flackern. Der Blick wird stechend, der Ruf des Vogels wird zu einem durchdringenden Schrei, der die Menschen erschauern läßt.

Eine erschreckende Veränderung geht mit dem Feuervogel vor sich. Immer stärker wird das Funkeln, bis es den Augen weh tut. Die Farbvielfalt verschwindet, bis nur noch ein flackerndes Rot übrig bleibt, ein tückisches Rot, welches das bevorstehende Chaos ankündigt.

Immer heller leuchtet der Feuervogel, blendet diejenigen, die sich noch trauen, hinzuschauen.

Dann, urplötzlich, wird das strahlende Rot zu Feuer!
Ein Vogel aus Feuer!

Flammen schlagen aus den Feuerfedern heraus, während der Vogel aus Feuer seine Kreise dreht. Wieder hallt sein kreischender Schrei durch die Luft. Angst erfüllt die Menschen. Die Wärme in ihren Herzen stirbt, die Angst und der Schrecken nehmen ihren Platz ein.

Jetzt gleitet der Feuervogel nicht mehr ruhig in der Luft, sondern flattert aufgeregt umher. Auf und ab fliegt er, als ob er etwas suchen würde.

Tiefer fliegt er, immer tiefer. Im rasenden Flug streift er eine Hecke, die sofort in Flammen aufgeht. Weiter führt sein Flug, vorbei an einigen Bäumen und Sträuchern. Flammen und Feuer markieren den Flug des Feuervogels, hinterlassen eine unübersehbare Spur.

Wieder steigt der Feuervogel auf. Das prasselnde Feuer seines Körpers hebt sich gegen den Himmel ab. Wo mag der Vogel jetzt hinfliegen?

Wie der Bote des Bösen kreist der brennende Feuervogel am Himmel, bis er sich wieder der Erde entgegenstürzt. Einen feurigen Schweif zieht er hinter sich her, bis er wie ein Komet in den alten, prächtigen Wald rast. Er durchschlägt die Kronen der Bäume, hinterläßt eine Spur aus Feuer und Vernichtung. Sein Feuer ist heiß, und es entzündet das Holz der Bäume wie Papier. Bald steht der ganze Wald in Flammen, und das gierige Prasseln des Feuers wird nur übertönt vom markerschütternden Schrei des Feuervogels.

Aus dem brennenden Wald schießt der Vogel heraus. Seine mächtigen Schwingen lodern hellrot, während er Kurs auf die Häuser in der Nähe nimmt. In Panik flüchten die Menschen, flüchten vor dem nahenden Chaos, vor dem Vogel, der gerade noch mit seinen wunderbaren Farben die Menschen erfreut hat.

Jetzt hat der Vogel die Häuser erreicht. Nur kurz streift er mit seinem brennenden Leib die Dächer, doch es reicht, um auch diese in Brand zu setzen.

Immer langsamer fliegt der Feuervogel. Das Feuer seines Körpers wird schwächer. Er fliegt wieder etwas höher, kreist wie müde über den Flammen, dessen Hitze ihn langsam nach oben tragen.

Plötzlich brechen die Flammen des Vogelkörpers zusammen, werden wieder zu einem roten Flackern. Immer schwächer wird das Leuchten, bis es nur noch ein schwaches, rotes Schimmern ist.

Doch unter dem Vogel prasselt das Feuer, frißt sich seinen Weg durch Holz, Gestrüpp und Gras. Während der Feuervogel das rötliche Funkeln verliert und sein Gefieder wieder die wunderschönen, faszinierenden Farben annimmt, tobt unter ihm ein Chaos aus Feuer und Vernichtung.

Der Feuervogel fliegt in Richtung Horizont. Das Feuer ist gefährlich für seine Federn, er flieht vor der Hitze. Er flieht vor der Hitze, die er selbst entfacht hat.

Dunkle Wolken ziehen sich über dem brennenden Wald zusammen. Gleich wird es regnen, und vielleicht wird der Regen das Feuer löschen. Doch zurückbleiben wird Asche und Vernichtung. Wie viel wird vernichtet worden sein? Wie lange wird es brauchen, bis die Spuren des Chaos beseitigt sein werden?

An einem weit entfernten Ort, weit, weit weg von hier, weit weg vom Trubel dieser Zeit, da lebt der erstaunlichste Vogel aller Zeiten. Inmitten wilder, friedlicher Natur dreht er seine Kreise. Er erfreut die Menschen mit seinem Aussehen, mit seinem Gesang. Niemand kann sich ein Leben ohne diesen Vogel vorstellen, doch immer wieder kommt die Zeit, in der der Feuervogel Chaos und Vernichtung bringt.

12.4.97 Abschied Die literarische Ecke Der Feuersturm


©2016 Holger Thiele
generiert aus "vogel.template" vom 28 07 2001
Valid HTML 4.01!